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Wenn das Rentensystem zusammenbricht

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Rentencrash – Steht die Zukunft unserer Rente auf dem Spiel?

Der Blick auf die derzeitige demografische Entwicklung, zeigt, dass immer mehr Menschen in Rente gehen, während weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten und somit in die Rentenkassen einzahlen. Diese Beobachtung kann schon erschreckend wirken.

Müssen wir einen sogenannten „Rentencrash“ befürchten, wenn immer weniger Beitragszahlende die Rente einer wachsenden Anzahl von Rentnern und Rentnerinnen stemmen müssen? Wir von Karriere Südtirol haben bei dem Finanzexperten Anton Bernard nachgefragt, was das für Italien bedeutet und ob es Lösungsansätze gibt für die Prävention eines Rentencrashs.

1️⃣ Was ist um die Sorge an einem Rentencrash in Italien dran?

Die Gruppe von Menschen im erwerbsfähigen Alter wird kleiner, die Zahl älterer Menschen wächst durch die höheren Lebenserwartungen stetig. In diesem Zusammenhang wird oft die Frage gestellt, ob das Rentensystem den steigenden Rentenausgaben unter diesen demografischen Bedingungen standhalten kann. Ein Szenario, das viele Länder in Europa beschäftigt. Auch in Italien sei die Sorge um einen Rentencrash nicht unbegründet, erklärt der Finanzexperte Anton Bernard:

Laut der EU-Statistikbehörde Eurostat* ist die Hälfte der italienischen Bevölkerung über 48,4 Jahre alt. Italien ist damit das älteste Land in der EU und eines der ältesten Länder weltweit. Dazu kommen niedrige Geburtenraten. Das belastet das Rentensystem, bei dem aktuelle Arbeitnehmer/innen für die Renten der älteren Generation aufkommen. Um das auch mit Zahlen zu verdeutlichen: Der Tätigkeitsbericht des INPS* zeigt, dass im Jahr 2023 insgesamt 214,6 Milliarden Euro an Rentenbeiträgen eingezahlt worden sind, während 317 Milliarden Euro ausgezahlt wurden. Darüber hinaus steht Italien vor einer hohen Staatsverschuldung, was die finanziellen Spielräume der Regierung einschränkt.

<em>Anton Bernard</em>Freiberuflicher Finanzberater beim Mailänder Unternehmen Azimut mit Sitz in Bozen

Diese Entwicklungen zeigen, so Anton Bernard, dass die Belastungen für das Rentensystem zunehmen, und zwar besonders bedingt durch das Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlenden und Rentenempfängern/Rentenempfängerinnen.

*Quelle: Eurostat und INPS

2️⃣ Kann ein Rentencrash verhindert werden?

Gerät das Rentensystem erst mal ins Wanken, ist die Katastrophe dann schon vorprogrammiert oder gibt es Möglichkeiten, um das Rentensystem zu stabilisieren? Um einem Rentencrash entgegenzuwirken, gebe es verschiedene Lösungsansätze, die sowohl die Politik als auch die individuelle Vorsorge betreffen, führt der Finanzexperte weiter aus.

Zu den Maßnahmen wirtschaftlicher und politischer Natur gehören, so Anton Bernard:

  • Die Erhöhung des Renteneintrittsalters
  • Die Förderung der Geburtenrate
  • Die Stärkung privater Altersvorsorge und die Reform des Arbeitsmarktes

Wird das Rentenalter schrittweise angehoben, könnten die Rentenzahlungen langfristig stabilisiert werden. Auch bezüglich der demografischen Entwicklung kann der Staat gezielte Maßnahmen ergreifen, beispielsweise durch gezielte Familienförderung mit besseren Kinderbetreuungsangeboten und finanzieller Unterstützung. Arbeitsmarktreformen, welche die Jugendarbeitslosigkeit in Angriff nehmen und die positiven Aspekte von Age Diversity durch die Integration älterer Arbeitnehmer/innen zu nutzen wissen, könnten die Zahl von Beitragszahlenden erhöhen und somit wiederum das Rentensystem stärken. Werden zu diesen Lösungsansätzen auch noch steuerliche Anreize geschaffen, damit mehr Menschen in private Rentenversicherungen investieren, kann einem Rentencrash gut entgegengesteuert werden.

<em>Anton Bernard</em>Freiberuflicher Finanzberater beim Mailänder Unternehmen Azimut mit Sitz in Bozen

3️⃣ Individuelle Rentenvorsorge als zusätzliche Absicherung

Bezüglich individueller Vorsorge sei es für Arbeitnehmer/innen ratsam, auf eine vielfältige Altersvorsorge zu setzen, da allein staatliche Renten in Zukunft möglicherweise nicht ausreichen. Erfahrungsgemäß, so der Experte, liege die staatliche Rente i.d.R. deutlich unter 60% des letzten Gehalts. Menschen, die also nur auf die staatliche Rente zurückgreifen können, laufen die Gefahr, in die Altersarmut abzurutschen. Daher sollten sich auch bereits junge Menschen darüber informieren, welche private Rentenversicherungen und Pensionsfonds für sie in Frage kommen.

Durch Einzahlungen in private Vorsorgeprodukte könne die individuelle Rente aufgestockt werden. Und durch Kapitalanlagen und Sparpläne (z.B. Aktien Fonds oder ETFs) kann das individuelle Vermögen aufgebaut werden. Wer außerdem Immobilien besitze, könne auch im Alter auf eine sichere Einnahmequelle (Verkauf/ Vermietung) zurückgreifen.

Was in diesem Zusammenhang gerne unterschätzt werde, sei die Bedeutung von Weiterbildungen und Umschulungen. Sich beruflich weiterzubilden, ermögliche es den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen flexibel zu bleiben. Das wiederum erhöhe die Chance, länger erwerbstätig zu bleiben und somit höhere Beiträge zu zahlen.

Immer im Blick sollten zudem auch Rentenlücken sein. Diese können beispielsweise während der fakultativen Elternzeit entstehen oder in Zeiträumen, in denen man nicht gearbeitet hat oder nicht bzw. nur unzureichend rentenversichert war. Rentenlücken sollten rechtzeitig durch Nachzahlungen geschlossen werden. Weitere Infos dazu gibt es im Blogartikel „Rentenlücken schließen“ nachzulesen.

Letztendlich kommt es auf eine Kombination von verschiedenen Vorsorgeoptionen an. Sind diese auf die individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten des/der Beitragszahlenden optimal abgestimmt, ist das auch der Schlüssel, um finanzielle Risiken zu minimieren und sich im Falle einer niedrigen staatlichen Rente oder – im Worst-Case-Szenario – eines Rentencrashes nachhaltig abzusichern.

<em>Anton Bernard</em>Freiberuflicher Finanzberater beim Mailänder Unternehmen Azimut mit Sitz in Bozen

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Wir wünschen dir viel Erfolg



Dieser Blogartikel ist kein Ratgeber für Finanz- und Rechtsfragen und kann keine fachliche Beratung ersetzen. Wenden Sie sich bei arbeits- und steuerrechtlichen Fragen oder bei Sachverhalten rund ums Thema Finanzen daher immer an Steuer-, Finanz- und Rechtsexperten. Karriere Südtirol übernimmt keine Haftung für getätigte oder unterlassene Aktionen und Entscheidungen, welche auf Basis dieses Blogartikels unternommen werden. 

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