Italien bietet einen gesetzlichen Schutz für werdende Mütter, Mutterschaft, Vaterschaftsurlaub, fakultative Elternzeit und auch für die Rückkehr an den Arbeitsplatz (vgl. dazu u.a. „Testo Unico“ Gesetzesdekret 151/2001) .Dieses Gesetzesdekret bildet auch das Fundament für die Vereinbarkeit von Job und Baby. In diesem Artikel wollen wir die aktuelle Gesetzeslage genauer beleuchten sowie praktische Tipps für den Wiedereinstieg als Mama und Papa nach der Babypause geben.
1️⃣Die rechtliche Basis: Mutterschutz und Elternzeit in Italien
Für werdende und frischgebackene Mütter gilt in Italien der obligatorische Mutterschutz. Dieser beginnt zwei Monate vor der Geburt und drei Monate und umfasst auch drei Monate danach – insgesamt sind es also 5 Monate obligatorischer Mutterschutzurlaub, der in einem Stück genossen werden muss. In dieser Zeit besteht ein Beschäftigungsverbot und du erhältst von der Sozialversicherung INPS/NISF 80% deines Bruttolohnes. Nur nach Genehmigung des Betriebsarztes ist es möglich bis zur effektiven Geburt des Kindes weiterzuarbeiten und die 5 Monate des Mutterschutzes ab der Geburt in einem Stück zu genießen.
Auch für Väter gibt es einen obligatorischen Vaterschaftsurlaub. Dieser dauert 10 Tage und kann 2 Monate vor dem errechneten Geburtstermin des Kindes bzw. innerhalb der ersten 5 Monate nach der Geburt in Anspruch genommen werden. 15 Tage von Beanspruchung muss du als Vater entsprechendes Ansuchen an deine Arbeitgebenden stellen. Letztere sind verpflichte, dir diese 10 Tage zu genehmigen. Bezahlt werden Väter während der Vaterschaftszeit über das INPS/NISF.
WICHTIG: Für lohnabhängige Mütter gilt auch ein Entlassungsschutz, d.h. dein Arbeitgeber/deine Arbeitgeberin darf dich während der Schwangerschaft bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes nicht entlassen. Väter stehen ebenso unter einem Entlassungsschutz, wenn sie eine Elternfreistellung (alternativer Vaterschaftsurlaub oder obligatorischen Vaterschaftsurlaub) beanspruchen. Weitere Informationen sind auch im Blogartikel „Mutterschutz – wie läuft er ab“ angeführt. Vergleiche zum Thema auch den Artikel der Elas News.
Nach dem obligatorischen Mutterschutz haben Eltern die Möglichkeit, eine fakultative Elternzeit zu nutzen – ein Hilfsmittel für Eltern, um Beruf und Familie langfristig zu vereinbaren. Diese Zeit können lohnabhängige Eltern bis zum 14. Lebensjahr in Anspruch nehmen, maximal 6 Monate pro Elternteil, 9 Monate insgesamt, wenn sich die Eltern die Zeit aufteilen. Das kann so aussehen, dass die Mutter 6 Monate in Anspruch nimmt und der Vater 3 Monate oder umgekehrt. Auch in diesem Fall bleibt dein Arbeitsplatz erhalten, die Beitragswochen für die Rente reifen an.
Eltern erhalten während der fakultativen Elternzeit 30 % des Monatslohnes, wobei es hierfür Aufstockungen gibt, wenn die aufgestockten Monate innerhalb des 6. Lebensjahres des Kindes in Anspruch genossen werden.
Weiterführende Informationen dafür findest du in unserem Blogartikel „Fakultative Elternzeit in Südtirol“.

2️⃣Der Wiedereinstieg mit Baby
Gesetzlich ist die Rückkehr an den Arbeitsplatz für Arbeitnehmer/innen nach der Babypause bzw. Elternzeit gut abgesichert: Sie haben das Recht an ihren vorherigen Arbeitsplatz zurückzukehren bei gleicher Stundenzahl. Der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin ist aber nicht verpflichtet, Müttern bzw. Vätern eine Teilzeitstelle zu genehmigen.
Trotz dieser gesetzlichen Schutzbestimmungen kann es aber schon eine Herausforderung sein, wieder in den Job zurückzukehren. Gründe dafür sind oftmals organisatorischer Natur. Mütter und Väter sollten daher frühzeitig den Austausch mit den Arbeitgebenden suchen. Viele Unternehmen bieten nämlich mittlerweile familienfreundliche Lösungen an, wie Betriebskita, flexible Arbeitszeitmodelle oder Homeoffice-Regelungen. Dies ermöglicht es den Unternehmen, qualifizierte, erfahrene Fachkräfte zu halten.
Wichtig: Vor allem Mütter sollten sich nicht von den eigenen Selbstzweifeln oder von Vorurteilen anderer von der Rückkehr an den Arbeitsplatz abhalten lassen. Von wegen, nach der Babypause/Elternzeit, sei man/frau eingerostet oder habe wichtige Skills verloren. Das Gegenteil ist im Grunde der Fall. Sogenannte „Elternskills“ umfassen organisatorische, soziale und praktische Skills, die Eltern sich über kurz oder lang aneignen und sich in kritischen oder hektischen Situationen im Berufsleben bewährt machen.
Dazu gehören Soft Skills wie:
Multitasking unter Extrembedingungen, wenn beispielsweise das Baby schreit, während das Essen auf dem Herd steht und ein wichtiger Telefonanruf getätigt werden muss
Effizientes Zeitmanagement, wie zum Beispiel die Fähigkeit, kleinste Zeitfenster optimal zu nutzen und Prioritäten auf einer sich ständig erweiternden Todo-Liste zu setzen
Logistisches Planen und die Fähigkeit sich auf verschiedene Szenarien vorausplanend vorzubereiten – wer mit Kind und Kegel unterwegs ist, lernt für alle Fälle gerüstet zu sein
Krisenmanagement und Problemsolving, wenn Pläne beispielsweise spontan abgeändert oder an eine völlig andere Situation angepasst werden müssen – Eltern lernen früh in einen lösungsorientierten Modus umzuschalten
Empathie, aktives Zuhören und Verhandlungsgeschick – emotionale Kompetenzen, die Berufstätige in ihrer Elternrolle in verschiedensten Lagen entwickeln, um das Weinen des Kindes zu entschlüsseln, Situationen und Dynamiken in ihrer Bedeutung und Vernetzung besser einschätzen zu können oder um neutral bei Geschwisterkonflikten vermitteln zu können
Dies zählen zu jenen Soft Skills, von denen Unternehmen und Teams ganz klar profitieren können. Unternehmensinterne Mitarbeiterschulungen und Weiterbildungsangebote helfen nach der Elternzeit außerdem, sich mit neuen Themen, Tools und Konzepten auseinanderzusetzen und den persönlichen Kompetenzenpass zu erweitern. Vom Unternehmen geförderte Aus- und Weiterbildung bieten Müttern und Väter neue Karrieremöglichkeiten und motivierende Zukunftsaussichten. Darüber hinaus stärken sie auch die Mitarbeiterbindung und das Interesse, nach der Babypause wieder ins Unternehmen zurückzukehren.
Schaffst du es, während deiner Elternzeit mit deinem beruflichen Netzwerk (Kolleg/innen und Vorgesetzten) in Verbindung zu bleiben, wirst du über Entwicklungen im Unternehmen auf dem Laufenden bleiben. Dies fördert wiederum die Rückkehr ins Arbeitsleben.
3️⃣Finanzielle Aspekte und Förderungen
Die finanzielle Planung ist für den Wiedereinstieg in den Job nach der Babypause ebenso wichtig. Einkommensabhängig gibt es für Arbeitnehmer/innen beispielsweise das Kindergeld (assegno unico universale) sowie spezifische Landesbeiträge für die Kinderbetreuung. Wirf dazu gerne auch einen Blick in unseren Blogartikel „Familiendienstleistungen des Landes“.
Möchtest du als Teilzeitkraft wieder ins Berufsleben einsteigen, ist es ratsam, die genauen Voraussetzungen und Bedingungen mit den Arbeitgebenden frühzeitig zu klären. Führe dir auch vor Augen, dass durch Teilzeitanstellungen Rentenlücken entstehen können, und informiere dich, wie du diese durch Nachzahlungen schließen kannst. Wichtige Informationen rund ums Thema Rente kannst du auch in unserem Blogartikel „Rente in Südtirol und Italien“ nachlesen.

4️⃣Fazit
Als Mutter oder Vater solltest du deine Rechte als Arbeitnehmer/in während der Mutterschaft, Vaterschaft und Elternzeit kennen. Plane deine Rückkehr an den Arbeitsplatz rechtzeitig und suche den Dialog zu deinen Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen vor dem Wiedereinstieg ins Berufsleben. Viele Arbeitgeber/innen haben heutzutage ein gutes Bewusstsein für die Bedeutung der Work-Life-Balance und sind um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bemüht.
einer Arbeitgeberin der/die Familie und Beruf als gleichwertige Säulen des Lebens anerkennt und Mütter und Väter als Bereicherung fürs Unternehmen und Team wahrnimmt? Dann wende dich gerne an unsere erfahrene Talentberatung und lass dich bei der Jobsuche unterstützen.
Wir wünschen dir viel Erfolg!