Simon Kafmann ist Automobildesigner: ein Beruf, der Kreativität, Technik und Zukunftsdenken vereint. Schon als Kind hat ihn die Automobilwelt fasziniert – mit allem was dazugehört. In seiner bisherigen Karriere durfte er schon für viele namhafte Unternehmen designen, darunter für Volvo, Polestar und Mini. Nun arbeitet er für einen der einflussreichsten Automobilkonzerne der Welt: BMW. Dort arbeitet er an der Entwicklung neuer Fahrzeuge, nämlich an Visions- und Konzeptfahrzeugen, aber auch Serienfahrzeugen, die wir später tatsächlich auf den Straßen sehen oder womöglich sogar selbst fahren werden. Sein individueller Erfolg zeigt eindrucksvoll, wie Leidenschaft, Ausdauer und die Verbindung von Kunst und Technik den Weg in ein international gefragtes Berufsfeld ebnen können.

Was machst du genau in deinem Beruf?
Im Grunde geht es darum, Fahrzeuge ganzheitlich zu entwickeln und das gesamte Erlebnis eines Nutzers zu gestalten. Dazu gehört alles, was man im und am Fahrzeug sieht, fühlt, ertastet, riecht und erlebt. Automobildesign umfasst deshalb viele verschiedene Bereiche und Aspekte, das macht es besonders spannend. Als Automobildesigner zeichnet man außerdem sehr viel – sowohl analog als auch digital – um Ideen und Visionen festzuhalten, anderen zu vermitteln und Produkte weiterzudenken. Darüber hinaus umfasst der Beruf auch viel Projektmanagement. Ziel ist es, ein emotional ansprechendes Endprodukt zu schaffen, das gleichzeitig alle technischen und funktionalen Aspekte erfüllt. Design ist immer ein Zusammenspiel von Kunst und Technik. Besonders im Automobilbereich sind die technischen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben sehr komplex, weshalb es besonders anspruchsvoll ist, diese beiden Welten miteinander zu verbinden. Da die Entwicklung eines Fahrzeugs oft drei bis fünf Jahre dauert, muss man beim Automobildesign sehr weit in die Zukunft blicken und entsprechend innovativ und progressiv arbeiten.
„Design ist immer ein Zusammenspiel von Kunst und Technik. Besonders im Automobilbereich sind die technischen Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben sehr komplex, weshalb es besonders anspruchsvoll ist, diese beiden Welten miteinander zu verbinden.“

Wie sah dein Ausbildungsweg aus?
Nach dem wissenschaftlichen Lyzeum in Bozen habe ich ein Bachelorstudium in Graz im Bereich Industrie- und Produktdesign begonnen – eine eher allgemeine Designrichtung. Anschließend habe ich in Schweden, in Umeå, meinen Master absolviert und mich dort auf Automobil- und Transportdesign spezialisiert. Zusätzlich habe ich über die Studienjahre hinweg viele Praktika in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen gemacht, um praktische Erfahrungen zu sammeln und Einblicke in diese Arbeitswelt zu bekommen.
Wieso und wann hast du dich für diesen Beruf entschieden?
Ich war schon als Kind sehr an Autos interessiert – die gesamte Automobilwelt, vom Rennsport bis hin zur Automobilgeschichte, hat mich immer fasziniert. Ich habe immer schon sehr viel und gerne gezeichnet, war kreativ und zugleich sehr technisch interessiert. Ursprünglich wusste ich jedoch gar nicht, dass es für dieses Gebiet ein eigenes Berufsbild gibt. Erst durch Recherchen habe ich herausgefunden, dass Automobildesign ein Teilbereich des Industriedesigns und damit eine Unterkategorie des Produktdesigns ist. Als ich mich näher damit beschäftigt habe, wurde mir klar, dass dieser Beruf perfekt zu mir passt, weil er eine ideale Verbindung aus Kunst und Technik darstellt: Einerseits der kreative, innovative Ansatz, andererseits der technische Hintergrund und die Frage, wie Ideen realisierbar werden.
Wie sah dein Karriereweg bisher aus?
Mein Karriereweg bestand einerseits aus meinem Studium und andererseits aus zahlreichen Praktika, die ich über die Jahre hinweg absolviert habe. Anfangs waren es Schulpraktika in kleineren Designbüros, später dann Praktika bei größeren Konzernen wie BMW, Polestar, Volvo und Mini. Diese Erfahrungen haben mir wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag und die Unterschiede zwischen verschiedenen Unternehmen und Bereichen gegeben. Das war entscheidend, um zu verstehen, worauf es im Studium wirklich ankommt und wie man das Gelernte später in die Praxis umsetzen kann. Nach meinem Studium kam die Corona-Zeit, in der die Joblage allgemein schwierig war. Daher habe ich mich zunächst selbständig gemacht. In dieser Zeit habe ich in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet: Software- und App-Entwicklung, Architektur, Produktdesign und natürlich Automobildesign. Schließlich erhielt ich einen Anruf von BMW mit der Frage, ob ich Interesse hätte, ins Designstudio nach München zu wechseln. Das war ein sehr bedeutender Schritt, da man in einem Konzern wie BMW ganz andere Möglichkeiten und Projekte mit globaler Reichweite hat. Seitdem arbeite ich bei BMW an der Entwicklung neuer Fahrzeuge – von Visions- und Konzeptfahrzeugen, die die Zukunft der Marke definieren, bis hin zu Serienfahrzeugen, die später tatsächlich auf die Straßen kommen.

Welche Eigenschaften braucht man, um in der Selbständigkeit erfolgreich zu sein, speziell in der Designwelt?
Da ich am Anfang meines Berufslebens selbständig war, konnte ich gut sehen, wie stark sich diese Arbeitsform von einem fixen Angestelltenverhältnis unterscheidet. In der Selbständigkeit muss man deutlich flexibler sein, weil kein Tag dem anderen gleicht und man sehr schnell auf Veränderungen im Markt reagieren muss. Zudem ist es wichtig, sich breit aufzustellen, um genug Aufträge zu bekommen und nicht von einer einzigen Branche abhängig zu sein – gerade, weil Design sehr global ist und stark von weltwirtschaftlichen Entwicklungen beeinflusst wird. Als Selbständiger trägt man nicht nur die gestalterische Arbeit, sondern auch die organisatorischen Aufgaben: Man muss sich selbst gut kennen, sich effizient organisieren und den Weg der eigenen Arbeit und Leistung erkennen. Besonders in der Designwelt spielt außerdem die Selbstpräsentation eine große Rolle, um neue Projekte und Kunden zu gewinnen. Die Branche ist stark vernetzt, mit vielen kleineren Netzwerken, in denen man schnell merkt, wie eng verschiedene Bereiche miteinander verbunden sind.
Du hast bereits für Marken wie BMW, Volvo, Polestar und Mini gearbeitet. Wie kommt man dazu, für solche weltweit erfolgreichen Firmen zu arbeiten?
Die Automobilbranche ist zwar eine riesige Industrie, aber die Designwelt innerhalb dieser Branche ist im Vergleich dazu sehr klein. Es gibt kaum offene Stellen, denn in der Regel wird man von den Unternehmen gezielt angesprochen, statt sich klassisch zu bewerben. Wichtig ist deshalb vor allem, dass man sich durch starke Referenzen, Projekte und die Qualität der eigenen Arbeiten einen Namen macht. Dadurch wird man sichtbar und empfohlen – und genau so kommt man letztlich zu großen Marken. Da Stellen selten offiziell ausgeschrieben werden, hängt viel von Empfehlungen und dem eigenen Ruf ab. Zudem muss man sich in dieser Branche kontinuierlich beweisen, denn die Automobilwelt ist oft volatil und stark abhängig von globalen Entwicklungen.
Arbeitest du meist nach demselben Konzept oder unterscheiden sich deine Designs, je nachdem für welche Marke du arbeitest? Gibt es etwas Typisches in deinen Designs, das du immer hineinfließen lässt?
Es gibt sehr viele unterschiedliche Herangehensweisen – abhängig vom Projekt, der Marke und dem Ziel, das man erreichen möchte. Man designt nie für sich selbst oder den eigenen Geschmack, sondern immer für eine bestimmte Nutzer- und Zielgruppe, die das Produkt später kaufen und verwenden soll. Deshalb braucht man als Designer die Fähigkeit, sich gut in andere Menschen hineinzuversetzen: ihre Bedürfnisse zu verstehen und zu erkennen, was ihnen wichtig ist. Der Erfolg von Design zeigt sich letztlich daran, ob ein Produkt am Markt angenommen wird. Dadurch, dass Ideen immer aus den eigenen Gedanken entstehen und Design ein kreativer Prozess ist, beinhalten sie natürlich auch immer eine persönliche Note. Ich versuche immer zu hinterfragen, warum etwas eine Aufgabe hat und welchen Zweck das Produkt erfüllt, um eine echte Daseinsberechtigung zu schaffen. Wichtig ist, dass das Produkt schlussendlich seinen Sinn und seine Funktion erfüllt, den Nutzer emotional berührt und sich der Nutzer mit dem Produkt bzw. Fahrzeug identifizieren kann. Das ist das Zusammenspiel zwischen Kunst und Technik, das Design vereint.
Wo siehst du dich in ein paar Jahren?
Da dieses Berufsfeld sehr umfangreich ist und sich ständig weiterentwickelt, wird es nie langweilig. Besonders durch neue Technologien wie KI entstehen immer mehr Tools und Möglichkeiten, die den Designprozess verändern und weiter bereichern. Dadurch kann man sich kontinuierlich weiterentwickeln und bleibt immer im Lernen – was mir sehr wichtig ist. Ich sehe mich auch in den nächsten Jahren in dieser Branche, da sie unglaublich dynamisch ist.

„Allein kommt man nie so weit – es ist immer das Team, das Großes ermöglicht. Vor allem sind Koordination und Kommunikation bei der Arbeit sehr wichtig, denn nur so funktioniert ein Projekt und wird erfolgreich.“
Was hast du bisher in deinem Berufsleben gelernt?
Ich habe gelernt, dass Projekte so umfangreich sind, dass es kaum möglich ist, sie allein zu bewältigen. Teamarbeit ist deshalb essenziell. Besonders bei großen Projekten – wie bei uns bei BMW, wo teilweise über 100 Personen beteiligt sind – hat jeder sein eigenes Spezialgebiet. Gerade das macht die Arbeit so spannend: Es fließt unglaublich viel Know-how aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um ein großartiges Ergebnis zu schaffen. Allein kommt man nie so weit – es ist immer das Team, das Großes ermöglicht. Vor allem sind Koordination und Kommunikation bei der Arbeit sehr wichtig, denn nur so funktioniert ein Projekt und wird erfolgreich. Oft sieht man am Ende nur die „Speerspitze“ des Projekts und versteht nicht, was alles dahintersteckt. Erst wenn man selbst beteiligt ist, erkennt man, wie umfangreich und komplex alles ist und wie präzise das Endprodukt ist, das gezeigt wird. Grundsätzlich habe ich gelernt, dass hinter Projekten oft viel mehr steckt, als es nach außen scheint. Was man nicht vergessen darf, ist, dass man immer neugierig bleiben sollte, offen für Neues und bereit, Änderungen mitzugehen. Nur so bleibt man aktuell und vorne mit dabei in der Berufswelt. Zudem ist es sehr wichtig, dass man seinen Job leidenschaftlich erfüllt, denn nur dann macht die Arbeit wirklich Spaß. Viele Projekte sind langwierig, anstrengend und erfordern viel Energie – ohne Leidenschaft ist es schwer, das über längere Zeit durchzuhalten. Mit Leidenschaft ist man motivierter, hat Freude an der Arbeit und es geht insgesamt leichter von der Hand.


