Wenn der Alltag zur Hölle wird: Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing kann jede/n treffen: Schätzungsweise jede/r 9. Beschäftigte ist Opfer dieser Art psychischer Gewalt. Die systematische Schikane kann auf zwei Arten auftreten: Auf Arbeitsebene oder auf sozialer Ebene. Wobei beide Ebenen gleichzeitig betroffen sein können und die beleidigenden, verletzenden oder ausgrenzenden Verhaltensweisen sowohl von einer Person als auch von einer Gruppe ausgehen können. In diesem Blogartikel erfährst du:
- Wann man von Mobbing auf der Arbeit spricht
- Wie bzw. wann Mobbing auf der Arbeit beginnt
- Was man tun kann, wenn man im Job gemobbt wird
Mit Fallbeispielen zu 3 verschiedenen Mobbing-Situationen!
1️⃣ Wann spricht man von Mobbing auf der Arbeit?
- Werden die Fähigkeiten eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin angezweifelt, unsachliche Kritik ausgeübt, sinnlose und kränkende Tätigkeiten übergeben oder Informationen verschwiegen oder manipuliert, dann spricht man von Mobbing im Job, das sich auf der Arbeitsebene abspielt
- Erfolgen die Misshandlungen und Machtspielchen auf der sozialen Ebene, wird die gemobbte Person wie Luft behandelt, ausgegrenzt, belästigt, verhöhnt (auch hinterrücks) oder bewusst in unangenehme Situationen oder gezielt verursachte Fettnäpfchen bzw. Fallen gelockt
- Werden Machtpositionen dazu benutzt, um bei Mitarbeiter/innen Druck auszuüben und Stress zu erzeugen, spricht man in diesem Zusammenhang oftmals auch von Bossing
2️⃣ Welche Folgen hat Mobbing im Job?
- Hoher Leistungsdruck
- Schwere psychische und physische Krankheiten, die trotz ihrer psychosomatischen Ursachen chronisch und gefährlich werden können
- Abnahme der Arbeits- und Lebensfreude bis hin zu Suizidgedanken
- Angriff der Gesundheit, beruflichen Existenz, Handlungsfreiheit und menschlichen Würde
Wichtig
3️⃣ Wann beginnt Mobbing auf der Arbeit?
Wichtig
4️⃣ Mobbing im Job: 3 Beispiele
- Fallbeispiel 1: Person X ist neu zu einem Team dazugekommen, und zwar als Teamleiter/in bzw. Vorgesetzte besagten Teams. Auch wenn sich die Teammitglieder zunächst sehr freundlich geben, merkt Person X schon bald, dass etwas nicht stimmt: Informationen werden nicht weitergegeben – die Situation wird dann so dargestellt, als habe Person X die Information ignoriert, vergessen oder nicht verstanden. Person X merkt, dass Gespräche abgebrochen werden, sobald sie den Raum betritt. Person X merkt, wie eigene Aussagen versteckt von den anderen mit Augenrollen kommentiert werden. Person X sucht das Gespräch, um über die Situation mit dem Team und den Vorgesetzten zu sprechen. Das Team sagt aber, es hätte keine Probleme mit dem/der Neuen, alles sei in bester Ordnung. Nach dem versuchten Klärungsgespräch folgen gehässigere, beleidigender Kommentare, die nicht mehr nur hinterrücks stattfinden
- Fallbeispiel 2: Person Y wird aufgrund ihrer ethnischen Herkunft durch Aktionen schikaniert, die seine Arbeitskollegen/Arbeitskolleginnen als harmlose Scherze darstellen: Person Y isst aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch. Bei einer kleinen, angeheiterten Feierabend-Runde werden selbst mitgebrachte Häppchen durch die gesellige Runde gereicht. Auf die Frage hin, ob darin Schweinefleisch enthalten sei, verneinen dies die Arbeitskollegen/Kolleginnen und reichen der Person eine Speise, die in kleinen Mengen, kaum wahrnehmbar Schweinefleisch enthält. Nachdem Person Y die Speise zu sich genommen hat, grölen die Mitarbeiter/innen vor Lachen. Schikanen dieser Art, wiederholen sich regelmäßig und beziehen sich auf das sprachliche Verständnis der Person, Feiertage, Aufgaben, Ess- und Kleidungsgewohnheiten dieser Person
- Fallbeispiel 3: Ein Arbeitskollege/eine Arbeitskollegin, die Person Z noch aus der Schulzeit kennt, verbreitet falsche Gerüchte über Person Z und kommt damit gut bei den anderen Teammitgliedern an. Kaum dreht Z den Rücken, wird gelästert und gelacht und das Gerücht zu einem amüsanten Spiel für die Arbeitskollegen/-kolleginnen gesponnen. Immer wieder wird die Person trotz Klärungsversuch mit spöttischen Kommentaren beleidigt. Sie zu Teamevents (Feierabendbier, interner Geburtstagsumtrunk) gemeinsamen Kaffeepausen, Fahrgemeinschaften einzuladen wird prinzipiell „vergessen“.
5️⃣ Was tun, wenn man bei der Arbeit gemobbt wird?
Tipp 2 – Dokumentiere für dich, was dir widerfährt: Dies ist wichtig, um Lösungen und Strategien für die Mobbingattacken zu finden. Diese Art Mobbing-Tagebuch kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt herangezogen werden, um rechtlich gegen mobbende Personen vorzugehen. Die Mitschrift sollte beinhalten:
- Wer die Beteiligten waren
- Wer passiv zuschaut
- Wer sich auf deine Seite schlägt
- Art des Mobbings
- Zeitpunkt des Mobbings
- Auswirkung auf Seele und Körper
Profitipp
- Eine Mobbingberatungsstelle aufsuchen
- Den Mobber/die Mobberin entmutigen durch Gleichgültigkeit
- Schlagfertig kontern
- Grenzen ziehen
- Aussprache mit dem Mobber/in, zusammen mit einer 3. unabhängigen Person, die das Ganze zu Protokoll gibt
- Sich verbal zur Wehr setzen, um zu zeigen, dass man sich nicht einschüchtern lässt
- Dem Mobber mit rechtlichen Konsequenzen drohen, denn diese gibt es tatsächlich, und zwar sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich
Tipp 5 – Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Ist die Situation weiterhin untragbar oder nur gering besser. Hole dir professionelle Hilfe, um zu vermeiden, dass die Situation dich körperlich und emotional zu sehr mitnimmt und dich traumatisiert. Wende dich beispielsweise an den Anti-Mobbing-Dienst der Gleichstellungsrätin
Profitipp
Wie du siehst, gibt es für dich in Mobbing Situationen auch in Südtirol kompetente, erfahrene Anlaufstellen. Du bist nicht allein mit dem Thema. Setz dich zur Wehr – und sieh nicht weg, wenn andere unter einer solchen Situation leiden!
Wir wünschen dir alles Gute auf deinem Weg!
Dieser Blogartikel ist kein Ratgeber für Rechtsfragen und kann keine Rechtsberatung ersetzen. Wende dich bei arbeitsrechtlichen Fragen oder bei Sachverhalten rund ums Thema Finanzen daher immer an Arbeitsrechtsexperten oder Steuer- und Rechtsexperten. Karriere Südtirol übernimmt keine Haftung für getätigte oder unterlassene Aktionen und Entscheidungen, welche auf Basis dieses Blogartikels unternommen werden.
Dieser Artikel wurde am 1.08.2024 aktualisiert
