In der öffentlichen Diskussion wird die Generation Z oft als anspruchsvoll, wenig belastbar und vor allem auf Freizeit bedacht dargestellt. Doch entspricht dieses Bild wirklich der Realität? Unsere tägliche Arbeit in der Talentberatung, Jobvermittlung und Zusammenarbeit mit Unternehmen zeigt uns ein anderes Bild: Junge Talente sind motiviert und lernbereit. Gemeinsam mit Lena, diesjährige Jobreporterin und Content Creator unseres Projektes „ Der geilste Sommerjob“, haben wir das Thema reflektiert. Sie erzählt uns von ihren eigenen Arbeitserfahrungen und davon, wie ihre Generation wirklich tickt.
1️⃣Vorurteile im Check: Was steckt dahinter?
Lena macht zurzeit eine Ausbildung als Krankenpflegerin. Schon während der Oberschulzeit hat sie abends in verschiedenen Bereichen gejobbt und auch in den Sommerferien gearbeitet – mal als Babysitterin, mal im Kino, hat dazu nebenbei auch gekellnert sowie Erfahrungen in der Kinderbetreuung im Sommerkindergarten und bei Sommercamps sammeln können. Außerdem macht sie gerade ein Bachelorstudium zur Gesundheit- und Krankenpflege in Innsbruck. Das widerspricht dem gängigen Klischee, die Generation Z sei verwöhnt, hätte keine Ahnung, was es heiße, anzupacken, würde nur fordern, anstatt zu geben und sei nur auf Freizeit aus.
Natürlich ist nicht jede/r wie Lena. Menschen sind unterschiedlich. Das macht Vielfalt aus. Gerade deshalb, sollten wir mit Schubladendenken vorsichtig sein. Tatsächlich stehen junge Talente oft vor Vorurteilen von älteren Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten, die ihre Fähigkeiten und ihren Arbeitseinsatz unterschätzen. Sehr oft wird die Bedeutung von Prinzipien und Werte, an denen sich diese Generation orientiert einfach falsch verstanden. Auf die die Forderung von Vereinbarkeit des Berufslebens mit Freizeit und Privatleben folgt so zum Beispiel gerne der Stempel „Nicht belastbar und unmotiviert “. Und der Wunsch, Neues auszuprobieren, wird fälschlicherweise gerne als „Besserwisserei. “ gedeutet. Doch worum geht es der Generation Z wirklich?
2️⃣Mental Health statt Überlastung
Gen Z gehört sicher zu jener Generation, die mehr und bewusster auf mentale Gesundheit achtet. Insofern sprechen wir diese Themen auch offen an, stellen entsprechende Forderungen und wünschen uns ein realistisches Maß an Flexibilität, was die Arbeitszeiten und die Planung des zustehenden Urlaubs anbelangt. Für unsere Generation ist das Thema Mental Health längst kein Tabu mehr, weil viele von uns am Beispiel älterer Generationen gesehen haben, dass Burnouts weitreichende und v.a. auch langwierige Folgen haben können. Schon allein deshalb ist die Work-Life Balance ein wichtiger Aspekt, wenn es ums eigene Berufsleben geht.
Schließlich könne es nicht gesund sein, wenn man einen 60-Stundenjob für normal halte und so plötzlich gefährlich nah an die eigenen Grenzen komme. Studien zeigen, dass die körperlichen und physischen Folgen davon sind nicht nur für den Betroffenen/die Betroffene selbst verheerend sein können, sondern auch aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht ein Problem darstellen. Etwas, das man durch eine gesunde Work-Life Balance prävenieren hätte können.
3️⃣Gen Z will anpacken – aber mit Raum für Neues
Und wie steht`s ums Vorurteil, Gen Z wolle nicht anpacken?
Junge Menschen stehen noch ganz am Anfang ihres beruflichen Werdeganges und müssen bestimmte Erfahrungen erst noch sammeln. Das gehe aber nur, wenn man ihnen auch die Chance dazu biete, unterstreicht Lena. Sie selbst habe Neben- und Sommerjobs in unterschiedlichen Bereichen und auch durchaus herausfordernde Praktika absolviert – auch um sich gewisse Hard und Soft Skills anzueignen. Dazu brauche es auf der anderen Seite auch Arbeitgeber/innen, die bereit seien, ihre Türen für junge Talente zu öffnen, ihnen Raum zum Lernen und Ausprobieren zu geben.
Meine Generation will also sehr wohl anpacken und auch zeigen, was sie draufhat. Dazu gehört es auch, sich selbst einbringen und auch mal was Neues ausprobieren zu dürfen – um das Stichwort von vorhin nochmal aufzugreifen. Da kann man schon manchmal auf etwas Widerstand seitens älterer Generationen stoßen, die es vielleicht gewohnt sind, bestimmte Arbeitsabläufe auf die routinierte Art und Weise zu erledigen und gegenüber Veränderung oder neuen Ansätzen noch zögerlich oder unsicher sind. Hier wünschen sich junge Talente oft einfach mehr Zu- und Vertrauen.
Das fordert beide Seiten, aufeinander zuzugehen – mit ein wenig kommunikativem Feingefühl und einer Portion Offenheit. Sie selbst habe in vergangenen Jobs glücklicherweise auch häufig erlebt, dass Arbeitgeber/innen diese Offenheit für Neues in ihrem Unternehmen mitbringen und es sogar unterstützen, dass sich junge Mitarbeiter/innen mit ihrem Gelernten, ihren Erfahrungen und Ideen einbringen – und auch mal querdenken. Das sei es auch, bestätigt Lena, was Gen Z im Job enorm motiviere.
Motivierend seien außerdem auch Wertschätzung durch konstruktives, aber ehrliches Feedback und ein faires Gehalt:
Wir wollen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, darum geht es nicht. Es geht um echte Chancen, um das Zutrauen, dass auch wir einen wertvollen Beitrag im Job leisten und etwas bewegen können – und auch um die ehrliche Anerkennung und Wertschätzung dafür. Das bedeutet auch, dass wir, vielleicht mehr als andere Generationen vor uns, uns trauen, eine faire Entlohnung einzufordern, die unserer Leistung entspricht. Da können älterer Generationen sicher noch von uns lernen. Besonders angesichts der hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol, ist es notwendig, dass es hier Anpassungen gibt – auch mit Blick auf die Abwanderung (nicht nur) junger Fachkräfte ins Ausland.

⃣4️⃣Tipps für deinen Start ins Berufsleben
Auf die Frage, was sie denn Studierenden, Auszubildenden und Berufsanfängern/Berufsanfängerinnen mit auf den Weg geben möchte, hat Lena eine klare Antwort:
Sammelt Erfahrungen. Traut euch in verschiedene Bereiche oder Jobs reinzuschnuppern, ob vor, während oder auch nach dem Studium. Ihr werdet an jeder Erfahrung wachsen und Einblicke erhalten, die ohne Veränderung, ohne was Neues auszuprobieren nicht möglich gewesen wären. Dadurch lernt ihr euch selbst und das Arbeitsleben besser kennen – auch in puncto Gehaltsverhandlung und leistungsgerechte Entlohnung könnt ihr hier dazulernen. Habt außerdem den Mut und die Neugierde, in euch hineinzuhören, um zu verstehen in welche berufliche Richtung euch eure Träume, realistisch betrachtet, führen können. Und vor allem eines: Schaut auf euch – auch mental!

Du bist Berufseinsteiger/in, weißt schon in welche Richtung es ungefähr gehen soll, bist aber noch auf der Suche nach einem Job, der zu dir passt und bei dem du dich einbringen und dein Potenzial entfalten kannst? Wende dich an unsere erfahrene Karriere Südtirol Talentberatung für eine kostenlose Unterstützung bei der Jobsuche.
Wir wünschen dir viel Erfolg!