Arbeit nimmt einen großen Teil des Erwachsenenlebens ein. Damit haben Job und Arbeitsumfeld einen starken Einfluss auf Wohlbefinden und Lebensqualität. Wenn diese Lebensqualität über längere Zeiträume leidet und die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz immer größer wird, wachsen auch die Zweifel an der eigenen Jobwahl. Das Thema Kündigung und Jobwechsel steht im Raum. Nicht jede schlechte Phase bei der Arbeit bedeutet sofortige Kündigung. Manchmal helfen konstruktive Gespräche, eine Pause oder kleine Veränderungen. Dennoch gibt es klare Signale, die darauf hinweisen, dass der aktuelle Job körperlich und/oder mental nicht gut für dich sein könnte. Im Folgenden findest du einige dieser Anzeichen, bei denen du ernsthaft über eine Kündigung nachdenken solltest, inklusive praktischer Tipps, um die Situation besser einschätzen und den nächsten Schritt planen zu können.
1️⃣Signale, die du ernst nehmen solltest
Wenn du dauerhaft mit deiner beruflichen Situation unzufrieden bist, leidet nicht nur die Arbeit. Stress, Schlafstörungen, beeinträchtigte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sind die Folge. Auch dein Privat- bzw. Familienleben kann dies zu spüren bekommen. Zudem kostet dir ein Arbeitsplatz, an dem du dich nicht wohlfühlst, langfristig Gelegenheiten für persönliches Wachstum. Achte daher auf diese Signale, um bewusst für deine Interessen und dein Wohlergehen zu handeln.

2️⃣Du freust dich nicht mehr auf die Arbeit:
Wenn der Gedanke an den Arbeitstag regelmäßig ein Gefühl von Angst, Druck und oder Resignation auslöst, ist das ein klares Warnsignal. Freude an kleinen Erfolgen oder das Zusammenarbeiten mit Kollegen und Kolleginnen sollten schon gelegentlich vorhanden sein. Fehlt dies völlig, ist das keine vorübergehende Phase.
Tipp: Führe ein kurzes Stimmungstagebuch, in dem du morgens und abends in ein bis zwei Sätzen festhältst, wie es dir bei der Arbeit geht und welche Gedanken dir dabei durch den Kopf gehen. Sich mehr und mehr häufende Kündigungsgedanken bzw. Fluchtgedanken sind ernst zu nehmen. Zum Beispiel: Am liebsten würde ich alles liegen und stehen lassen und einfach nicht mehr hingehen.
3️⃣Psychosomatik – körperliche Symptome nehmen zu:
Ein bisschen Stress – also sogenannter gesunder Stress, der dich in Bewegung hält, motiviert, fordert aber auch wachsen lässt ist tatsächlich positiv zu bewerten. Geht es aber um chronische Müdigkeit, Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit etc. können dies Stressreaktionen auf einen zu sehr belastenden Job sein. Wenn diese Beschwerden mit der Arbeitswoche zusammenhängen und sie sich am Wochenende oder während der Ferien verbessern, ist das ein weiteres deutliches Signal, deine berufliche Situation in die Hand zu nehmen. Ein Arztbesuch zur genaueren Abklärung deiner körperlichen Symptome bringt weiter Klarheit.
Tipp: Nimm körperliche Symptome ernst. Auch wenn sie „nur“ eine Reaktion auf anhaltende Stresssituationen sind, ist es wichtig sie ernst zu nehmen und auch medizinisch und ev. psychologisch abklären zu lassen. Viele Menschen holen sich aus Schamgefühl oder dem Gefühl, einfach weiter „auf die Zähne beißen zu müssen “ nicht rechtzeitig Rat. Du hast ein Recht auf körperliche und mentale Gesundheit. Achte gut auf dich!
4️⃣Deine Werte stimmen nicht (mehr) mit dem Arbeitsplatz überein:
Hast du das Gefühl, in einem Arbeitsumfeld zu arbeiten, dass so gar nicht mit deinen Moralvorstellungen zusammenpasst? Das kann langfristig zu Frust und auch Identitätsverlust führen. Ein Job sollte zumindest im Grundgerüst zu deinen Wertvorstellungen passen.
5️⃣Keine berufliche Weiterentwicklung möglich:
Fördern deine Arbeitgeber/innen keine Entwicklung, etwa durch neue Aufgaben, Weiterbildungsmöglichkeiten oder Perspektiven, kann das langfristig an deiner Motivation nagen.
Bieten deine Vorgesetzten auch nach einem Gespräch und Vorschlägen und Anfragen deinerseits keine konkreten Lösungen bzw. Maßnahmen, kann das ein Grund für eine berufliche Veränderung sein. Führe dir klar vor Augen, welche Ziele du erreichen möchtest, was du dazulernen möchtest und in welche Richtung deine berufliche Laufbahn gehen soll. Schau dich dann nach Arbeitgebenden um, bei denen Personal- und Entwicklungsförderung weit oben auf der Liste stehen.
6️⃣ Schlechte Führung und toxisches Arbeitsklima:
Respektlosigkeit, Machtspielchen unter den Kollegen/Kolleginnen, Intransparenz, Diskriminierung und Mobbing vergiften das Arbeitsklima auf sehr komplexe Weise. Das kann zur psychischen Belastung werden und ist IMMER eine zerstörerische, statt konstruktive Energie.
Besonders in puncto Mobbing und Diskriminierung, solltest du das nicht einfach über dich oder andere ergehen lassen. Du hast Rechte! Wende dich an entsprechende Fachstelle. In Südtirol ist das die Gleichstellungsrätin. Gibt es aus zwischenmenschlicher Sicht hier keinen positiven Richtungswechsel? Ein Jobwechsel kann hier tatsächlich mehr Lebensqualität bedeuten. Lass dich beraten!
7️⃣Du fühlst dich unter- oder überfordert:
Sowohl dauerhafte Unterforderung (Langeweile, Stagnation) als auch ständige Überforderung (Burnout-Risiko) sind Alarmsignale. Dass es zwischendurch mal Tage im Job gibt, an denen es recht hektisch zugeht oder mal Flaute herrscht, ist völlig normal. Ein guter Job sollte eine ausgewogene Balance bieten mit Herausforderungen, die du meistern kannst und die dir Raum geben, um dich weiterzuentwickeln.
Gib deinen Arbeitgebenden Rückmeldung, und zwar sowohl bei Unterforderung als auch bei Überforderung, denn es kann sein, dass ihm/ihr dies von außen tatsächlich nicht so bewusst ist. Teile klar mit, was du brauchst, um gut und motiviert arbeiten zu können. Parallel dazu kannst du Strategien zur Stressreduktion im Alltag einsetzen. Zum Beispiel durch Priorisierung, Pausen, durch Einforderung von klareren Aufgabenverteilungen und realistischeren Deadlines, Unterstützung durch andere Teammitglieder. Werden konkrete Maßnahmen auch seitens der Vorgesetzten ergriffen, die tatsächlich eine positive Veränderung für dich beobachten lassen – wunderbar; ansonsten nimm die Sache selbst in die Hand und hol dir die berufliche Veränderung, die du brauchst, um dich im Job wohlzufühlen.

8️⃣Fazit
Manchmal helfen klare Aussprachen mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin. Warte nicht zu lange, damit sich Situationen und Dynamiken nicht verfestigen und du noch ausreichend Handlungsenergie hast. Sprich Angelegenheiten am besten in einem Vier-Augen-Gespräch an und gib in einem weiteren Gespräch Rückmeldung zu stattgefundenen oder nicht stattgefundenen Veränderungen/Verbesserungen. Hilft das alles nichts, reflektiere genau, was dir im Job wichtig ist und beginne, dich umzusehen – idealerweise, bevor du die freiwillige Kündigung/Selbstkündigung einreichst. Gerne steht dir dabei unsere kostenlose Talentberatung zur Seite: professionell und diskret, ohne dass deine derzeitigen Arbeitgeber/innen davon erfahren. Informationen zur freiwilligen Kündigung bzw. Beendigung des Arbeitsverhältnisses findest du in unserem Blogartikel Richtig kündigen in Italien.
Wir wünschen dir viel Erfolg!
