Andrian - rund 1.200 Einwohner, zwischen Meran und Bozen an der Südtiroler Weinstraße. Und mittendrin ein Standort, von dem aus Feuerwehren zwischen Sizilien und Südtirol beliefert, gewartet und betreut werden. „Rosenbauer ist ein Komplettanbieter für Feuerwehren“, erklärt Ina Andrea Schrems, zuständig für die Betriebsentwicklung am Standort Andrian. „Vom Feuerwehrstiefel über den Helm bis zum Spezialfahrzeug wird alles aus einer Hand entwickelt, hergestellt und verkauft.“
Wachstum seit 1866
Rosenbauer wurde 1866 in Linz gegründet. Die Konzernzentrale liegt auch noch heute in Leonding bei Linz. Von dort aus werden viele zentrale Bereiche gesteuert - etwa Marketing, die Akademie und die strategische Weiterentwicklung. „Für kleinere Standorte wie Andrian ist das ein wichtiger Rückhalt“, erklärt Schrems.
Der Standort in Andrian ist historisch gewachsen. Bis 2020 war dort Brandus als offizieller Vertriebspartner für den italienischen Markt von Rosenbauer tätig. Mit der Zeit wurde das Potenzial in Italien für den Konzern immer deutlicher, weshalb Rosenbauer Brandus schließlich übernahm und in die eigene Struktur integrierte. Seitdem fungiert Andrian als Schnittstelle zum italienischen Markt.
Keine Fahrzeuge von der Stange
Wer bei Rosenbauer ein Feuerwehrauto bestellt, bestellt dabei kaum etwas von der Stange. „Es gibt wohl kein einziges Fahrzeug, das standardmäßig vom Band läuft", sagt Schrems. Jede Bestellung beginnt mit einer genauen Analyse: Was braucht die Feuerwehr wirklich? Welche technischen Spezifikationen? Welche Aufbauart, welche Zulassungsanforderungen gelten im jeweiligen Land?
Für den italienischen Markt läuft dieser Prozess komplett über Andrian: Vertrieb, technische Spezifikation und die Eingabe ins globale System von Rosenbauer werden hier gebündelt. Anschließend geht es in die Umsetzung: Fahrgestell und Aufbau (die beiden zentralen Fahrzeugkomponenten) werden je nach Projekt entweder vormontiert geliefert oder in Andrian kombiniert und mit Innenausbau sowie kundenspezifischen Details fertiggestellt. Da Zulassungs- und Normvorgaben in verschiedenen Ländern stark variieren, ist genau diese lokale Anpassung entscheidend für die Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge.
Am Ende steht ein fertiges, getestetes, zugelassenes Fahrzeug, das dem Kunden übergeben wird.


Zwischen Werkstatt und Wartungsplan
Das Herzstück von Andrian ist zweigeteilt: Werkstatt und Service. In der Werkstatt werden Fahrzeuge finalisiert und fertiggestellt. Der Servicebereich kümmert sich um Wartungen und um alles, was nach einem Einsatz bei den Einsatzfahrzeugen repariert oder ersetzt werden muss.
In Südtirol und dem Trentino kommen viele Feuerwehren direkt nach Andrian: kurze Wege für eine direkte Betreuung. In anderen Teilen Italiens bedeutet Service dagegen Reiseaufwand. „Wer in Sizilien eine Wartung braucht, wird von uns vor Ort betreut - mit Fähre, Flug und langen Anfahrten“, erklärt Schrems. „Das ist anspruchsvoll, aber auch spannend, weil man die Fahrzeuge wirklich im Feld sieht.“ Mittelfristig stellt sich dadurch auch die strategische Frage für das Unternehmen, wie die Präsenz in Italien weiterentwickelt werden kann.
Der Standort Andrian wächst kontinuierlich und zählt heute rund 26 Mitarbeitende. Mechaniker, Servicetechniker, Vertrieb und Verwaltung arbeiten eng zusammen. Neue Mitarbeitende starten meist mit einer Einarbeitung vor Ort und gehen anschließend in die konzerninterne Akademie in Leonding. Dort werden technische Grundlagen, Service- und Diagnoseschulungen sowie Führungsausbildungen angeboten.
Waldbrand, Flughafen, Katastrophenschutz
Rund 75% des internationalen Konzernumsatzes kommt aus dem Fahrzeugbereich, und das stärkste Segment sind Kommunalfahrzeuge für Berufsfeuerwehren und Werksfeuerwehren. Und Rosenbauer denkt weiter. Flughafenlöschfahrzeuge, Fahrzeuge für den Katastrophenschutz, Ausrüstung für Waldbrandeinsätze. All das gehört zur Produktpalette.
Gerade bei Waldbränden zeigt sich, wie tief die Entwicklungsarbeit geht. Ein Waldbrandhelm muss leicht sein, damit Einsatzkräfte nicht ermüden - und gleichzeitig maximalen Hitzeschutz bieten. Ein Stiefel muss hoch und steif genug für den Schutz sein, darf aber die Beweglichkeit nicht zu stark einschränken. Ein Fahrzeug für unwegiges Gelände braucht das richtige Reifenprofil, die richtigen Tankmaße und ausreichend PS, um schnell am Einsatzort zu sein.
„Rosenbauer macht alles, was zum Retten und zur Prävention dient. Aber nichts, das zur Aggression dient", bringt Schrems die Haltung des Unternehmens auf den Punkt.
Ein durchaus interessanter Einblick: Mehr als die Hälfte des Teams in Andrian ist selbst aktives Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr. Zwar sei dies keine formelle Voraussetzung, aber es helfe durchaus. Wer selbst schon mit technischen Begrifflichkeiten aus der Feuerwehrwelt in Kontakt war, findet sich leichter zurecht. „Man muss aber keinesfalls Feuerwehrmitglied sein, um bei Rosenbauer zu arbeiten", betont Schrems, „aber man sollte es nicht fad finden."
Internationalität im Konzern
„Fixe Austauschprogramme zwischen den verschiedenen Rosenbauer-Standorten gibt es nicht. Die operative Realität mit engen Zeitfenstern und laufenden Projekten lässt das kaum zu“, so Ina Andrea Schrems. Trotzdem ist der Standort Andrian international stark vernetzt. Servicetechniker unterstützen bei Bedarf andere Standorte, etwa in der Schweiz oder in weiteren europäischen Märkten. Diese Einsätze entstehen nicht über fixe Programme, sondern projektbezogen - genau dann, wenn Unterstützung gebraucht wird.
Gleichzeitig läuft ein großer Teil der Zusammenarbeit im Alltag digital: Andrian steht täglich mit Standorten weltweit in Kontakt - über Telefon, E-Mail und Online-Meetings. Es geht um technische Abstimmungen, Servicefälle und Projekte, oft parallel über mehrere Länder hinweg. Für Schrems ist genau das entscheidend: „Dafür braucht es vor allem eine offene Haltung und die Bereitschaft, über den eigenen Standort hinaus zu denken.“
Ein Standort mit klarer Kultur
Am Standort Andrian wird bewusst auf Präsenz und einheitliche Rahmenbedingungen gesetzt. Homeoffice gibt es im operativen Bereich nicht. „Kein Mechaniker kann ein Fahrzeug von zuhause aus warten. Und wir stehen dazu, dass alle im Unternehmen dieselben Rahmenbedingungen und Benefits haben“, so Schrems. Stattdessen setzt der Standort auf Flexibilität im Alltag dort, wo sie möglich ist, und auf klare, faire Strukturen für alle.
Was Andrian zusätzlich prägt, ist die Kultur im Kleinen: In der Mittagspause wird gemeinsam gegessen. An großen Tischen, mit frisch gekochtem Essen direkt im Haus. Ein alltägliches Detail, das viel über den Zusammenhalt sagt. „Ein sympathischer Haufen“, wie Ina Andrea Schrems den Standort beschreibt.
Und dann gibt es noch jene Momente, die nicht planbar sind: Wenn irgendwo der „Piepser“ geht und ein Einsatz ruft, wird sichtbar, was diesen Standort besonders macht. Leidenschaft fürs Retten ist hier nicht nur beruflich vorhanden - sie ist bei vielen Mitarbeitenden auch persönlich Teil des Lebens.
