Seit rund 10 Jahren ist Heidi Messner unter dem Namen heidi.from.the.mountains auf Instagram aktiv. Mittlerweile folgen ihr dort über 121.000 Menschen. Mit ihrer Arbeit möchte sie dazu inspirieren, mehr Zeit draußen zu verbringen, auf die eigene mentale und körperliche Gesundheit zu achten und das auf nachhaltige Art und Weise im Einklang mit unserer Umwelt. Neben Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen, darunter Salewa, Skoda, Sanvit, verschiedenen Hotels, Asics oder Samsung, ist sie auch an Schulen unterwegs und leistet wertvolle Aufklärungsarbeit zum sicheren Umgang mit Social Media und Co. In unserem Gespräch erzählt sie von einem vielseitigen Ausbildungsweg, vom langsamen, aber stetigen Wachstum ihres Profils, vom Ablauf von Kooperationen mit verschiedenen Marken und gibt Einblick in ihren individuellen Erfolg.

Seit wann gibt es heidi.from.the.mountains und wie hat sich das Ganze entwickelt?
Ich habe vor 10 Jahren begonnen, Inhalte auf Instagram zu posten. Mein Name war dabei schon vergeben, weshalb ich mich für heidi.from.the.mountains entschied. Das Profil entwickelte sich sehr stetig und linear, meine Followerzahl ist nicht von heute auf morgen explodiert. Dafür bin ich sehr dankbar, denn so hatte ich die Möglichkeit, mit den Herausforderungen zu wachsen und mein Leben wurde nicht abrupt auf den Kopf gestellt. Dieses langsame und konstante Wachstum war mir lieber, denn dadurch konnte ich verstehen, was mir wichtig ist, was ich teilen möchte und wo meine Grenzen liegen. Mein Privatleben findet auf meinem öffentlichen Profil beispielsweise nicht statt. Ich hatte mir nie als Ziel gesetzt, meine Plattform so weit auszubauen, dass sie zum Vollzeitjob werden könnte. Vor ungefähr 6 Jahren war das Profil aber soweit entwickelt, dass es tatsächlich zu meinem Nebenjob wurde, weshalb ich dann die Partita IVA eröffnet und das Ganze ein wenig ernster genommen habe. Heidi.from.the.mountains und generell Social Media Profile sind nach wie vor ein Universum, das sehr selbstzentriert ist. Während meines Studiums und in meinen bisherigen Jobs habe ich so viele spannende Bereiche kennengelernt, dass ich mir nie vorstellen konnte, ausschließlich im Social Media Bereich zu arbeiten.

Wie wurde heidi.from.the.mountains dann trotzdem zu deinem Vollzeitjob?
Vor zwei Jahren hatte ich noch einen Vollzeitjob bei Porsche, der sehr zeitintensiv war und mir kaum Raum für Hobbys, Freizeit oder meinem Nebenjob heidi.from.the.mountains ließ. Daran wollte ich etwas ändern. Ich habe gekündigt und mir bewusst eine Pause genommen, um herauszufinden, wohin meine berufliche Reise gehen soll. In dieser Zeit haben sich mehrere Kooperation ergeben, die sich Schritt für Schritt weiterentwickelt haben. Ich habe dabei durchaus mit mir gehadert, weil ich immer gesagt hatte, dass heidi.from.the.mountains nicht zu meinem Hauptberuf werden soll. Gleichzeitig hatte ich – und habe aktuell – in meinem Privatleben nur wenige Verpflichtungen, weshalb ich dieses „Risiko“ eingegangen bin. Aktuell passt diese berufliche Situation sehr gut zu meiner Lebensphase: Ich habe meine Ausbildung abgeschlossen, bereits Berufserfahrung gesammelt und gehe somit momentan ein überschaubares Risiko ein. Es kann aber gut sein, dass ich mich in ein paar Jahren wieder nach einem Job sehne, der mehr Konstanz und weniger Aufs und Abs mit sich bringt.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus? Gibt es so etwas überhaupt oder ist jeder Tag anders?
So etwas gibt es leider nicht. Ich wünschte, es gäbe ihn, denn ich bin ein sehr strukturierter Mensch und plane gerne. In diesem Beruf ist das jedoch kaum möglich. Ich versuche immer wieder, mehr Struktur in meinen Arbeitsalltag zu bringen, aber dafür werde ich von meinem Manager meist nur ausgelacht (lacht). Meistens kommen genau dann Last-Minute-Anfragen und To-Dos hinzu, wenn ich einen Tag besonders genau durchgeplant habe.
Was machst du genau in deinem Beruf?
Ich betreue meine Social-Media-Kanäle, die ich regelmäßig mit Fotos und Videos bespiele. Außerdem betreibe ich einen Blog, auf dem ich Beiträge veröffentliche und künftig auch wieder aktiver sein möchte. Mein Ziel ist es dabei immer, zu vermitteln, wie wichtig es ist, draußen zu sein, auf die mentale und körperliche Gesundheit zu achten und einen nachhaltigen, bewussten Umgang mit sich selbst und der Umwelt zu finden. Ob man den Beruf als Influencerin oder Content Creatorin bezeichnet, ist mir weniger wichtig. Solange es für andere beschreibt, was ich mache, sind beide Bezeichnungen ok. Tatsächlich finde ich die Bezeichnung Influencerin fast passender, da ich nur mit Unternehmen zusammenarbeite, von denen ich wirklich überzeugt bin. Ich sehe mich weniger als klassische Content Creatorin, die User Generated Content produziert, bei dem es primär darum geht, Produkte zu bewerben – unabhängig davon, wie man selbst dazu steht.

Wie sah dein Ausbildungsweg aus?
Ich habe Kommunikationswissenschaften in Salzburg studiert und im Zuge dessen ein Erasmus-Jahr in Norwegen absolviert. Danach habe ich mir ein Jahr Zeit genommen, um herauszufinden, in welche berufliche Richtung ich gehen möchte. In dieser Phase wurde mir klar, dass ich mein Italienisch unbedingt verbessern möchte, weshalb ich mich für einen Masterstudiengang an der Bocconi-Universität in Mailand entschied. Diese Entscheidung war rückblickend genau richtig, weil ich mich so persönlich sehr weiterentwickeln konnte, auch wenn die Zeit sehr fordernd war. Nach dem Master bin ich nach Salzburg zurückgekehrt und habe begonnen, bei Porsche zu arbeiten. Während dieser Zeit habe ich mich beruflich bewusst von der digitalen und Social-Media-Welt entfernt und klassisch im Media-Buying gearbeitet, also mit Printmedien, Radio und Fernsehen in Österreich. Die Porsche Holding verfügt über eine Inhouse-Agentur (PMC Media&Creative), die nicht nur Porsche, sondern alle Marken des VW-Konzerns betreut, darunter Audi, Skoda, Seat und eben VW. Ich habe mich ganz bewusst für diesen Job entschieden, weil dieses Feld in der Autobranche absolutes Neuland für mich war. Die Motivation dahinter war, Einblick in eine Arbeitswelt zu bekommen, in der ich sehr viel Neues lernen konnte.
Wäre deine heutige berufliche Situation dieselbe, wenn du nicht Kommunikation und Marketing studiert hättest?
Ich denke schon, denn am Anfang hing das für mich nicht unmittelbar zusammen. Heidi.from.the.mountains war für mich ein Side-Projekt, das ich spannend fand. Erst später habe ich erkannt, dass daraus möglicherweise ein Beruf werden könnte. Hätte ich etwas völlig anderes studiert, hätte ich mich vermutlich früher für einen Weg entscheiden müssen. Da sich meine Projekte und Jobs jedoch thematisch ähnelten, fiel es mir leichter, sie parallel laufen zu lassen.
Welche Eigenschaften sind wichtig, um in der Selbständigkeit erfolgreich zu sein?
Durchhaltevermögen ist essenziell. Es gibt viele Rückschläge genauso wie motivierende Momente, und gerade in den schwierigen Phasen darf man nicht aufgeben. Wichtig ist auch, sich immer wieder bewusst zu machen, warum man etwas tut und welches Ziel man verfolgt, sonst verliert das große Ganze schnell an Sinn. Selbständigkeit klingt oft so, als müsste man alles alleine bewältigen. Dabei ist es umso wichtiger, ein gutes Netzwerk um sich herum zu haben: Einerseits im privaten Umfeld mit Menschen die einen immer wieder auffangen und auf die man sich verlassen kann. Andererseits aber auch im beruflichen Kontext: Menschen um sich zu haben, die ähnliche Ziele verfolgen und Werte vertreten, die in eine ähnliche Richtung arbeiten, mit denen man sich austauschen kann, sind wichtig, um sich nicht zu verlieren.

Mittlerweile hast du über 121.000 Follower auf Instagram. Was braucht es, um diese Reichweite zu erlangen?
Ich bin mir nicht sicher, ob es darauf eine allgemeingültige Antwort gibt. Jeder Account ist anders und auch Instagram hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Die Art und Weise, wie Wachstum funktioniert, ist heute eine andere. Ich kenne viele Menschen, deren Profile sehr schnell gewachsen sind, weil sich Instagram in diese Richtung entwickelt hat. Es geht nun oft darum für kurze Zeit viral zu gehen, anstatt langfristig eine starke Stimme aufzubauen. Gerade deshalb bin ich dankbar, dass mein Weg anders war. Für mich ist die Followerzahl kein verlässlicher Indikator dafür, wie gut etwas läuft oder wie gut jemand seinen Job macht. Ich habe keine Zahl im Kopf, die ich bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichen möchte. Die Qualität meiner Arbeit ist mir wichtiger, als die Quantität. Es ist mir wichtiger, dass ich weniger Menschen mit meinem Content effektiv erreichen kann, als mehr Menschen, die aber mit dem Inhalt eigentlich gar nichts anfangen können. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen, dass viele Kooperationspartner auf diese Zahl sehr genau achten. Ab einer bestimmten Reichweite öffnen sich Türen. Für mich persönlich spielt sie jedoch eine untergeordnete Rolle.
Wie laufen Kooperationen mit Unternehmen normalerweise ab? Suchst du nach Kooperationspartnern oder kommen die Unternehmen auf dich zu?
In etwa 90% kommen die Marken auf mich zu. In den restlichen 10% sprechen entweder mein Manager oder ich Unternehmen an, bei denen wir uns eine gute Zusammenarbeit vorstellen können. Zu Beginn wird geklärt, ob man als Marke und Markenbotschafter/in gut zusammenpasst. Danach geht es relativ schnell um die vertraglichen Aspekte, denn am Ende ist es ein Business, auch, wenn der kreative Austausch der schönere Teil ist. Es wird besprochen, welches Budget zur Verfügung steht und anschließend werden Ideen konkretisiert sowie Do’s und Don’t’s der Zusammenarbeit festgelegt. In der Phase der Content Creation arbeite ich meist mit Fotografen oder Videografen zusammen. Danach folgt die Content Freigabe: Die Marke erhält die Inhalte so, wie sie später auf meinem Profil erscheinen werden. Je nach Vertrag können Änderungswünsche eingebracht werden, ansonsten wird der Content freigegeben. Nach dem Livegang bleibt zu hoffen, dass der Content gut ankommt und die Umsetzung den Erwartungen entspricht. Häufig folgt ein Feedbackgespräch, in dem Insights analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten besprochen werden. Idealerweise entstehen so langfristige Partnerschaften. Das ist ein Aspekt, der mir besonders wichtig ist. In den letzten Jahren habe ich einige Partnerunternehmen gefunden, mit denen genau dieses gegenseitige Vertrauen gewachsen ist.
Arbeitest du mit eigenen Foto- bzw. Videografen oder werden diese vom jeweiligen Unternehmen gestellt?
Das ist sehr unterschiedlich. Meistens ist es so, dass ich die Foto- bzw. Videografen organisiere und, dass die ganze Abwicklung über mich läuft. Der Kunde ist dann mit den Fotografen eigentlich nicht in Kontakt. So bleiben die Prozesse einfacher und der Kunde muss nicht mit mehreren Personen kommunizieren. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die ausschließlich mit bestimmten Fotograf/innen arbeiten. In diesem Fall kann man meist jemanden aus einer Liste auswählen. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass es für mich viel angenehmer ist, mit Menschen zu arbeiten, die ich kenne und die ähnlich ticken wie ich. Daraus sind schon Freundschaften entstanden. Während der Shootings bin ich dann viel entspannter und das spiegelt sich im Endprodukt wider. Genau deshalb ist es so wichtig, dass man sich mit Menschen umgibt, die ähnliche Ziele verfolgen, denn so öffnen sich oft auch neue Möglichkeiten.

Was sind die wichtigsten Aspekte bei Kooperationen mit anderen Unternehmen?
Das Wichtigste ist, dass das Match zwischen Unternehmen und Kooperationspartner wirklich passt. Wenn man nicht zusammenpasst, merkt man das in jedem Schritt der Zusammenarbeit. Jeder Schritt wird mühsamer und das Endergebnis ist selten authentisch bzw. so, wie man es sich vorgestellt hat. Über die Jahre habe ich auch gelernt, wie entscheidend klare Verträge sind. Sie schaffen transparente Erwartungshaltungen und sorgen dafür, dass beide Seiten genau wissen, was vereinbart wurde und, dass sie eventuell auch klar kommunizieren können, wenn etwas davon abweicht.
Wo siehst du dich beruflich in ein paar Jahren?
Das kann ich aktuell noch nicht sagen. Im Moment passt es gut so, wie es ist. Ich kann mir aber auch vorstellen, in ein paar Jahren wieder in einem traditionelleren Beruf zu arbeiten. Es hängt ganz davon ab, ob das, was ich aktuell mache, dann noch zu meinem Leben passt. Ich versuche das Berufliche immer sehr isoliert zu sehen, aber da kommt natürlich noch der private Aspekt dazu. Möglicherweise ist mir in ein paar Jahren wichtiger, ein stabileres Arbeitsleben zu haben oder nur an einem Ort sein zu müssen. Entscheidend ist für mich, dass ich etwas mache, das mich immer wieder herausfordert, mir ermöglicht, Neues dazuzulernen und wo ich von tollen Menschen umgeben bin, die mich immer wieder dazu inspirieren, weiter zu wachsen.
Was hast du bisher in deinem Berufsleben gelernt?
Sowohl in der Selbständigkeit als auch im Angestelltenverhältnis habe ich gelernt, dass Kommunikation alles ist. Der Ton macht den Unterschied. Mit der richtigen Kommunikation lassen sich auch schwierige Themen ansprechen und gute Lösungen finden. Mit klarer, transparenter und sachlicher Kommunikation kann alles gelöst werden. Das ist mir in meinem Leben, beruflich wie privat, sehr wichtig. Mir ist es auch immer ein großes Anliegen, mit gewissen Vorurteilen aufzuräumen. Ja, es ist ein spannender Beruf mit vielen Vorteilen, allerdings darf man auch die Nachteile nicht ausblenden. Entscheidend ist, dass man Leidenschaft für etwas hat, sich dadurch eine starke Stimme in diesem bestimmten Bereich aufbaut und auf dieser Basis eine Plattform schafft, nicht umgekehrt. Das sage ich auch immer wieder auf meinen Vorträgen in den Schulen zu Themen wie bewusster Umgang mit Social Media. Zu sagen, man möchte auf Social Media arbeiten und Influencer/in werden, ohne zu wissen, wofür man eigentlich stehen will, reicht nicht aus. Ohne Leidenschaft wird man austauschbar – und langfristig auch nicht erfüllt.