Dorotea Maders Karriereweg ist ein beeindruckendes Beispiel für beruflichen Erfolg im internationalen Umfeld. Nach ihrem Studium in Statistik und Management startete sie 2004 bei Lidl Italien und machte rasch Karriere. Von der Verkaufsleiterin zur Vertriebsleiterin, über Finance, PR und Marketing bis hin zur HR-Leitung im Vorstand von Lidl Deutschland, stieg sie in nur wenigen Jahren auf. 2018 gründete sie in Südtirol ihr eigenes Beratungsunternehmen. In ihrem Interview mit Karriere Südtirol teilt sie wertvolle Einblicke und Tipps für junge Frauen, beleuchtet Herausforderungen der Gleichstellung und betont die Wichtigkeit von kontinuierlicher Weiterentwicklung und Verantwortungsbewusstsein.
1️⃣ Zum Werdegang der Karrierefrau
Dorotea Mader ist eine
waschechte Karrierefrau. Ihr Werdegang begann im Jahre 2004, als sie nach ihrem Studium in Statistik und Management in Padua in den Konzern Lidl Italien einstieg. Lidl ist das
größte Einzelhandelsunternehmen in Europa und eines der größten weltweit, Karrierechancen gibt es daher reichlich. Die ambitionierte Dorotea Mader begann direkt als Verantwortliche für 5 Filialen mit ca. 60-70 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Durch
harte Arbeit und auf ihre Mitarbeiter/ innen bauend gelang ihr nach kurzer Zeit der Aufstieg in die Vertriebsleitung für ganz Italien. Daraufhin durfte sie ein
internationales Projekt im Bereich Finance begleiten und übernahm nach erfolgreichem Abschluss des Projektes den Bereich PR und Marketing. Im Jahr 2011, nach nur 7 Jahren und schon einigen Karriereschritten, wurde ihr der Bereich HR, also der Personalbereich für Lidl Italien, anvertraut. 2015 wurde sie dann in den Vorstand des Konzerns nach Deutschland berufen und mit dem Bereich HR für Lidl beauftragt. Dies war auch ihr letzter Karriereschritt bei Lidl, denn 2018 verließ sie das Unternehmen. Nach Südtirol zurückgekehrt gründete Frau Mader ihr
eigenes Beratungsunternehmen, welches sie auch heute noch mit ihren Geschäftspartnerinnen Esther Ausserhofer und Ursula Obermair führt.

2️⃣ Wenn der Karriereweg das Ziel ist
Der Karriereweg von Dorotea Mader war alles andere als einfach und sicherlich kein Zuckerschlecken. Hürden und Herausforderungen gehören dazu, das sei ganz normal, erklärte sie im Interview mit Karriere Südtirol.
Das Ziel kann nie die Karriere sein. Wenn du in dein Arbeitsleben hinein startest mit dem Ziel, die „Chef-Position“ zu besetzen, dann glaube ich, hast du das falsche Mindset. Für mich waren immer meine Aufgaben und Verantwortungsbereiche wichtig. Ich habe mich nie vor einer Verantwortung gedrückt und habe alle meine Aufgaben, die zu meiner Verantwortung gehörten, übernommen und dabei immer die Menschen mitgenommen. Ich war immer nur so gut wie mein Team. Diese Tatsache war mir von Anfang an klar und darauf habe ich immer gebaut. Klar, es war kein 08/15-Job und ich habe teilweise 16 Stunden am Tag gearbeitet. Das muss heute natürlich nicht mehr sein, jedoch kann man sich nicht nur die angenehmen Dinge heraussuchen und dann erwarten, Karriere zu machen. Das ist sicherlich nicht der richtige Weg.
Dorotea MaderCo-Founder von Human&Human
3️⃣ Über Frauen an der Spitze, Fachkräftemangel und Gleichstellung
Als Frau in einer Führungsposition habe sich Dorotea Mader im Konzern jedoch
nie benachteiligt gefühlt. Sie habe die gleichen Chancen und Möglichkeiten gehabt wie ihre männlichen Kollegen, und auch das Thema „Gender Pay Gap“ war im Konzern Lidl schon lange kein Problem mehr, denn es ging immer und
ausschließlich um Leistung.
Trotzdem gab es einen deutlichen Unterschied
in der Anzahl von Frauen und Männern in Führungspositionen, wobei es immer weniger weibliche Führungskräfte gab, je höher man in die Top-Management-Ebene emporstieg. Dieses Problem wurde im Konzern mit Maßnahmen angegangen, die auch bald Früchte trugen. Ein Beispiel dafür war ein explizit für Frauen mit Potential konzipiertes Führungskräfte
Entwicklungsprogramm, oder die
Errichtung einer Kita im Unternehmen, die den Frauen den Spagat zwischen Familie, Freizeit und Beruf erleichterten.
Solche Initiativen fördern nicht nur die Anzahl an weiblichen Führungskräften, sondern tragen auch
positiv zum Thema Fachkräftemangel bei, da auf viele Talente verzichtet wird, wenn Frauen nicht Vollzeit arbeiten können und nicht in Führungspositionen tätig sind.
In Südtirol sei die Situation noch etwas anders, erklärt Dorotea Mader: „Ich war geschockt, als ich nach Südtirol zurückgekehrt bin. Bei uns ist es noch ganz normal, dass Vorstände nur von Männern besetzt sind und es gibt auch wenige Bemühungen, dies zu ändern. Es fehlt der Wille etwas zu verändern, jedoch nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen.
Dorotea MaderCo-Founder von Human&Human
Es gibt bereits einige Initiativen in Südtirol, die die Anzahl von Frauen in Führungspositionen verbessern sollen. Laut Dorotea Mader seien alle Maßnahmen
hilfreich und sinnvoll, jedoch wird die spürbare Veränderung erst mit dem Generationenwechsel stattfinden.
Positiv blickt Frau Mader auf die Tatsache, dass Bedarf und Interesse am Thema bestehen, wie man auch beim ersten Event des Vereins „
thrive“, der sich für das Thema „Female Empowerment und Personal Growth“ einsetzt, gesehen habe. Bei der
ersten Ausgabe 2023 seien bereits 800 Besucher/innen im
NOI Techpark in Bruneck zusammengekommen, um sich über dieses Thema zu informieren und auszutauschen. Oder Frauennetzwerke wie fems. in dem auch Dorotea Mader aktiv ist und welches sich für female Empowerment einsetzt.
„Jedoch brauchen wir auch die Männer, nur allein über die Frauen werden wir es nicht schaffen eine gerechte Welt für alle zu bauen.“, erklärt Frau Mader.

4️⃣ Karrieretipps für junge Frauen
Die Generation Z ist tendenziell offener, was die Themen Frauen in Führungspositionen, Unabhängigkeit der Frau und die Gleichstellung der Frau angehen. Welche Tipps hat also Dorotea Mader für junge Frauen, die in die Berufswelt einsteigen oder gerade am Anfang ihrer Laufbahn stehen und offen dafür sind, Karriere zu machen?
Eine gute Ausbildung, das ist die Grundlage für alles. Hinaus in die Welt, weg von Südtirol und in großen Unternehmen arbeiten, um den eigenen Horizont zu erweitern: Man lernt, mit anderen Kulturen umzugehen, entwickelt ein Gefühl für Organisationen und lernt strukturiert zu arbeiten.
Außerdem ist es hilfreich, die eigene Vision vom Leben festzuhalten: Wo möchte ich hin, was möchte ich bewegen, welchen Nutzen möchte ich erbringen und was soll der Titel des Films meines Lebens sein? Und diese Vision konsequent verfolgen, sich einbringen, mutig sein, ‚Ja‘ sagen, sich Sachen zutrauen und Neues probieren und keine Angst haben, auch mal einen Fehler zu machen. Auch mal in den sauren Apfel beißen, denn es ist nicht alles ein Wunschprogramm, man muss sicherlich auf viel verzichten. Für sich selbst herausfinden, wie wichtig einem die Arbeit ist, denn harte Arbeit gehört dazu.
Dorotea MaderCo-Founder von Human&Human
5️⃣ Glücklich und erfolgreich auch ohne Chefposition
Nicht jede/r sei jedoch für das Thema Karriere und die Rolle als Chef/in geeignet. Laut Studien seien nur ca. 2 % der Weltbevölkerung prädestiniert, eine Führungskraft zu sein. Es gibt Fach- und Führungskarrieren, nicht jede/r muss eine Führungskraft sein. Und Fachkarrieren sind oft mindestens genauso spannend und spielen auf höchstem Niveau wie Führungskarrieren. Auch das ist vielleicht ein Dogma, das wir auflösen sollten in unseren Organisationen. Wichtig ist, dass jeder das tut, was ihm Freude bereitet und ihn erfüllt. Denn nur so kann man kreativ sein, hervorragende Arbeit und einen bedeutenden Beitrag leisten.