Gestärkt in den Neustart

Gestärkt in den Neustart

Covid-19 hat nicht nur auf globaler Ebene, sondern auch in zahlreichen Unternehmen zu einer Krisensituation geführt: Wie und mit welchen Maßnahmen ist es möglich, die körperliche und geistige Gesundheit der Mitarbeiter*innen zu erhalten, ein angemessenes Stressmanagement umzusetzen und die Motivation bei der Arbeit zu fördern?

Das Virus hat das Leben der Menschen innerhalb kürzester Zeit verändert, und daran müssen wir uns erst einmal anpassen: Neue Rahmenbedingungen und Bestimmungen sind zu beachten, Abläufe und Routinen zu verändern, Orientierung zu finden. Vergleichbar ist dies mit den ersten Fahrstunden. An alles ist zu denken: Kuppeln, Gas geben, Verkehrsteilnehmer*innen beachten, usw. Das ist anfangs ungewohnt und anstrengend. Sobald aber die Routine Einzug hält, laufen diese Prozesse parallel und wie automatisch ab. Zu diesen Veränderungen kommen vielleicht noch Ängste und Unsicherheiten, die erst einmal zu verarbeiten sind. Manchen Menschen fällt das leicht, andere reagieren mit Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Erschöpfung, vereinzelt auch ungehaltenes oder gereiztes Verhalten. Diese Belastungsfolgen wirken sich auch auf die Arbeit aus.

Aus Sicht der Stressforschung sind ein gutes Arbeitsklima und die Unterstützung durch Führungskräfte und Kolleg*innen maßgeblich für ein verringertes Stressempfinden, sowie eine höhere Motivation und Zufriedenheit in der Belegschaft. Menschen tut es grundsätzlich gut, wenn sie in ihrer konkreten Situation gesehen und ernst genommen werden. Den größten Einfluss haben demnach die direkten Vorgesetzten: Wer über Gelassenheit und innere Sicherheit verfügt, den Mitarbeiter*innen zuhört und Einfühlungsvermögen zeigt, stellt gute (Arbeits-) Beziehungen her, die entlastend wirken und die Bereitschaft für gute gemeinsame Lösungen in Krisensituationen fördern. Konkret hilft:

  • Ruhig und gelassen bleiben, eigene Ressourcen nutzen und sich was Gutes tun. Ruhe und Wohlbefinden sind ansteckend.
  • Im Dialog bleiben mit den Mitarbeiter*innen und aktiv zuhören. Verständnis hilft.
  • Unterschiedliche Lebenssituationen anerkennen und nach Möglichkeit in den betrieblichen Entscheidungen berücksichtigen. Handlungsspielräume sind gesund.
  • Gemeinsam neue Perspektiven finden, in konkrete Ziele herunterbrechen und verbindliche Vereinbarungen treffen. Gemeinschaft stärkt.

Südtirol hat gerade durch die kleinstrukturierte Wirtschaft in diesem Sinne viel zu bieten: Solidarität, Verantwortungsbewusstsein und gegenseitige Unterstützung sind optimale Voraussetzungen, um sich einzeln und als Betrieb wieder zu erholen.

Wer als Führungskraft allerdings merkt, selber gereizt oder gar überfordert zu sein, tut auch zum eigenen Schutz gut daran, den Austausch mit erfahrenen Kolleg*innen zu suchen oder externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Denn wie in anderen Bereichen ist auch hier kein Meister vom Himmel gefallen: Stressbewältigungs- und Selbststeuerungskompetenzen sind lernbar und es zahlt sich aus, da zu investieren.

In diesem Sinne: Gute Arbeit!

Autorin: Ruth Gschleier

Ruth Gschleier ist Wirtschaftsmediatorin, Coach und Supervisorin. Als Gesellschafterin des vival.institute unterstützt sie Führungskräfte und Unternehmen in Hinblick auf lebens.werte Arbeit.

Sie würden gerne mehr erfahren?